David Lynch, 1996

Der Film, der als der beste von David Lynch angesehen wird, mischt Elemente des Film Noir mit Elementen des Psychothrillers und des Horrorfilms. Seine intensive Wirkung bezieht er, außer aus seiner verwirrenden, nicht-chronologischen Dramaturgie, sowohl aus seiner rätselhaften, psychologisch dichten Handlung wie auch aus seiner ausdrucksstarken surrealistischen Bildsprache.

Andreas Thomas interpretiert den Film als „Faust im Medienzeitalter“, wobei der mysteriöse Mann die Rolle des teuflischen Mephisto einnimmt:

„Lost Highway handelt von der Hölle. Von der Hölle vor und nach dem Teufelspakt. Von der Hölle des Lebens in einer ‚alltäglichen‘ Unausweichlichkeit, von der Trennung vom Leben, der Vergeblichkeit der Liebe und der Isolation. Die Einsamkeit eines Paares in seiner Partnerschaft, in seinem Haus, in dessen Dunkelheit es sich zu verlieren droht, das mit seinen dicken Mauern und schießschartenartigen Fenstern anscheinend Sicherheit geben soll, aber jede Lebendigkeit erstickt. Und nun der Faustruf nach Entgrenzung. Wie eine verzweifelte Beschwörung diabolischer Mächte klingt Freds Saxophonsolo, und das Videoband belegt: Der Geladene ist schon da, ihm zu helfen – und ihn zu observieren. Aus dem Pudel ist eine Überwachungskamera geworden.“


TRIVIA

* Lynch berichtete, dass die Eingangsszene des Films aus seinem Leben gegriffen sei: Tatsächlich habe einmal ein Mann an seiner Tür geklingelt und den Satz „Dick Laurent is dead“ durch die Sprechanlage gesprochen. Als Lynch aus dem Fenster blickte, sei niemand mehr zu sehen gewesen.

* Als beinahe seherisch entpuppte sich die Besetzung von Robert Blake, dem „Mysteryman“. Vier Jahre nach dem Start des Films wurde Blakes Frau ermordet – ein Verbrechen, für das der Schauspieler 2002 schließlich selbst angeklagt wurde.

* Immer wieder diskutiert wird der Einfluss des Films Tanz der toten Seelen (Carnival of Souls, 1962) auf David Lynchs Film. Der Mystery Man und der von Herk Harvey dargestellte Untote sind ähnliche Figuren, und die Hauptdarstellerin trägt den selben seltenen Vornamen (Candace) wie Pete Daytons Mutter. Auch die Geschichte weist gewisse Verwandtschaften auf: Der Film schildert die Todesvision einer bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Frau, die träumt, wie sie von den Toten verfolgt und in deren Welt hineingezogen wird.

* Das Sound-Design zu Lost Highway stammt wie in einigen anderen seiner Filme von David Lynch selbst.

* Die Dreharbeiten des Films mit einem Budget von 15 Millionen US-Dollar begannen im September 1995 unter anderem in Barstow und Los Angeles Kalifornien und in Chapel Hill North Carolina USA und wurden im Februar 1996 beendet.

* Lost Highway kam am 15. Januar 1997 in die französischen, am 21. Februar 1997 in die US-amerikanischen und am 10. April 1997 in die deutschen Kinos. Dabei spielte der Film in den USA nur rund 4 Millionen US-Dollar ein. Weltweit brachte er ein Einspielergebnis von rund 8 Millionen US-Dollar ein.

* Der Film ist eine Co-Produktion von Asymmetrical Productions, CiBy 2000, Lost Highway Productions LLC und October Films im Verleih von Senator Film (Deutschland).

* Olga Neuwirth und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek haben Lost Highway als Oper aufbereitet. Uraufführung war am 31. Oktober 2003 in Graz.

* Henry Rollins ist als Gefängniswärter und Brian Warner, der Sänger der Band Marilyn Manson, als Pornostar in Nebenrollen zu sehen.