Die vorgegebene Architektur ist immer der Ausgangspunkt der Konzeption, die der taiwanesische Künstler Michael Lin für seine Projekte entwickelt. Er stellt nicht Bilder oder Objekte aus, sondern Rauminstallationen, vor allem florale Wand- und Bodengestaltungen in monumentaler Größe.
Die Motive entstammen der traditionellen taiwanesischen Textilkunst. Seit Jahrhunderten unverändert haben sich diese Muster als fester Bestandteil der Gebrauchs- und Volkskunst ins Bewusstsein gesetzt und bestehen heute in Form industrieller Massenfertigung in der Alltagswelt Taiwans fort.

Michael Lin sieht in seiner Kunst das Ergebnis seiner Biografie: Im Alter von 9 Jahren übersiedelte der in 1964 in Tokio geborene Lin mit seiner Familie nach Los Angeles, wo er später Kunst studierte. Nach Taiwan zurückgekehrt, wurde er sich mit voller Schärfe des Spannungsfeldes zwischen seiner westlichen Erziehung und dem östlichen Erbe bewusst – einer Spannung, die zugleich die gesellschaftliche Entwicklung Taiwans widerspiegelt.

Die Sujets seiner Malerei sind archaische taiwanesische Muster, die er auf den gesamten Raum: Wände, Fußboden, Möbel, Fenster überträgt. Auch die Menschen, die den Raum nutzen, werden zum Teil des Gesamtwerkes. Dabei gilt Lins Interesse nicht primär der floralen Ikonografie selbst. Wichtig ist, dass die Motive vertraut sind und sinnlich ansprechen.